Auf Cdiscount, Amazon und Fnac passen Ihre Wettbewerber ihre Preise alle 2 Stunden an. Manuell mitzuhalten ist unmöglich. Drei algorithmische Strategien helfen.
Strategie 1: Reaktiv (Wettbewerbsbeobachtung)
Einfaches Prinzip: Ihr Preis richtet sich am günstigsten Wettbewerber für dasselbe Produkt aus. Typische Regel: „immer 0,50 € darunter, aber nie unter meiner Mindestmarge".
Geeignet für : Standardprodukte (bei denen nur der Preis zählt), Produkte mit hohem Volumen, Marketplaces, auf denen die BuyBox vom Preis abhängt (Amazon).
Grenze : Preiskampf mit Ihrem direkten Wettbewerber. Sparsam einsetzen bei Produkten, bei denen Sie kein anderes Unterscheidungsmerkmal haben.
Strategie 2: Prädiktiv (Saisonalität)
Prinzip: Ihr Preis steigt automatisch in Zeiten vorhersehbar hoher Nachfrage. Black Friday, Weihnachten, Valentinstag, Schulanfang — der Algorithmus kennt die historischen Muster und hebt Ihre Preise in Spitzenzeiten um 5 bis 12 % an.
Geeignet für : klar saisonale Produkte (Spielzeug zum Jahresende, Strandartikel im Sommer), Geschenkartikel, Produkte mit unelastischer Nachfrage in Spitzenzeiten.
Falle : nicht zu stark anheben. Übersteigt Ihr Weihnachtspreis den Novemberpreis um 20 %, riskieren Sie den Ruf des „bösen Händlers" und verlieren an Kundenbewertungen.
Strategie 3: Rein algorithmisch (laufendes A/B-Testing)
Prinzip: Der Algorithmus testet kleine Preisänderungen (±2–5 %) über kurze Zeiträume (4–12 Stunden) und misst die Wirkung auf die Verkäufe. Er konvergiert zum optimalen Punkt.
Geeignet für : Produkte mit echtem Unterscheidungsmerkmal (bessere Angebotsseite, besser bewerteter Service), Produkte, bei denen der Preis nicht das einzige Kaufkriterium ist.
Grenze : erfordert ein Mindestvolumen (mindestens 10 Verkäufe pro Tag beim Produkt), damit die A/B-Tests statistisch belastbar sind.
Die 3 Strategien kombinieren
Keine Strategie ist überall die richtige. Ein guter Pricing-Agent lässt alle 3 je nach Kontext laufen:
- reaktiv in der Regel bei volumenstarken Produkten;
- prädiktiv, aktiviert 30 Tage vor den saisonalen Spitzen;
- rein algorithmisch bei den Top-Produkten, wo die Nettomarge mehr zählt als das reine Volumen.
Ohne diese Orchestrierung kostet ein einziger, überall angewandter Algorithmus 10 bis 25 % Marge über den gesamten Katalog. Mit intelligenter Orchestrierung sind 5 bis 15 % zusätzliche Marge gegenüber manueller Preispflege realistisch — ganz ohne Überwachung.
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